Grünbuch des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) zur Verkehrsentwicklung und zur Transformation des Bundesverkehrswegeplans ist ab sofort als Download hier erhältlich.

Grünbuch des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) zur Verkehrsentwicklung und zur Transformation des Bundesverkehrswegeplans

Die IHK fordert - wie immer - mehr Straßen. Uwe Suermann hat recherchiert und einen sehr lesenswerten Leserbrief in der Lippischen Landeszeitung vom 15. Juli 2017 verfasst:

Lkw-Verkehr wird gigantisch subventioniert
Leserbrief zum Artikel "Wir fahren auf Verschleiß", LZ vom 6. Juli.

Ja stimmt absolut, und zwar im Wortsinne. Regelrecht verschlissen werden unsere Straßen durch eine seit Jahrzehnten fehlgeleitete Infrastrukturpolitik mit völlig einseitiger Bevorzugung der Straße gegenüber Schienen und Wasserstraßen. Ergebnis ist trotz massivem Ausbau eine überlastete und teilweise marode Straßeninfrastruktur.

Und jetzt fordert die IHK schon wieder den weiteren Ausbau. Nichts gelernt aus den Fehlern der Vergangenheit? Mehr Straßen erzeugen auch mehr Straßenverkehr - der Zustand wird sich auch nach dem achtspurigen Ausbau der A2 und den vielen geplanten Umgehungsstraßen nicht bessern - es wird nur noch mehr Verkehr auf die Straße verlagert, und es werden Unmengen weiterer schädlicher Abgase in unsere Atemluft geblasen. Und dann sollten wir uns das "Wir" von der IHK mal genauer ansehen. Wer ist denn "Wir", die alle unsere Straßen so auf Verschleiß fahren?

Ein Rechenbeispiel: Ein gewöhnlicher Pkw mit einer Tonne Gewicht drückt mit 500 Kilo pro Achse auf die Straße. Bei einem vierachsigen 30-Tonner lasten pro Achse 7,5 Tonnen auf der Straße, das ist das 15-Fache. Straßenbauingenieure rechnen seit Jahrzehnten mit dem sogenannten Vierte-Potenz-Gesetz. Der Verschleiß der Straße steigt mit der vierten Potenz seines Gewichts, jeweils bezogen auf eine Achse. Das Vierte-Potenz-Gesetz sagt nun: Die Belastung für die Straße und damit der angerichtete Schaden ist pro Achse nicht 15-mal so groß wie beim Pkw, sondern der Faktor beträgt 154, also 15x15x15x15, das ist 50.625. Da unser Beispiel-Lkw außerdem doppelt so viele Achsen hat wie der Pkw, schädigt er die Straße sogar mehr als 100.000 -mal so stark.

Was "wir" hier machen, ist eine gigantische Subventionierung des LKW-Verkehrs, auch des osteuropäischen. Und dort rechnet der "Spiegel" mit mindestens 20 Prozent Anteil der Fahrzeuge, die mit manipulierter Abgasanlage unterwegs sind. Das ist alles nicht sonderlich intelligent organisiert. Aber genau dieses fehlerhafte System weiter zu forcieren, hat mit Intelligenz gar nichts zu tun. Sicher benötigen unsere Supermärkte täglich frische Waren. Aber müssen die Liefer-Lkw denn vorab auf Hunderten Kilometern unsere Autobahnen schreddern? Da gilt es anzusetzen: Ziel muss sein, den Großteil des bisherigen Lkw-Verkehrs zu ersetzen - am Ende der Kette fährt dann ein natürlich elektrischer Sattelauflieger die letzten Kilometer vom regionalen Verteilzentrum zum Markt vor Ort. Zukunftsvision für das Jahr 2050? In Deutschland vielleicht - in Amsterdam fahren die elektrischen "Cargohopper" bereits heute! 100 Prozent mehr Lebensqualität mit null Emission und null Straßenausbau. Einfach mal googlen, IHK!

Uwe Suermann, Lage

Bürgerhaus, Clara-Ernst-Platz 6,  32791 Lage
23.06.2017, 18.30 Uhr - Vortrag und Diskussion mit Dr. Reh vom BUND

Der Vortrag war sehr gut besucht und Dr. Reh erläuterte den Bundesverkehrswegeplan, seine Ungereimtheiten und Unausgewogenheit im Detail.

"Alternativen zum Straßenneubau wurden nicht geprüft, Vermeidungsmaßnahmen in Sachen Umweltschäden nicht definiert. Die stärkste Auswirkung in der Kosten-Nutzen-Analyse hat der monetarisierte Zeitgewinn"

Am Ende würden nur Minuten an Reisezeit gespart – im Gegenzug 80 Mio. € ausgegeben und erneut Flächen von Ackerland, Natur und Wohnraum zerstört.

Die PowerPoint Folien seines Vortrages hat Dr. Reh freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Download Vortrag Dr. Reh vom BUND zum Thema Bundesstraße B239n und Bundesverkehrswegeplan.

Der Bundesverkehrswegeplan 2030 ist eine Auflistung von Verkehrsbauprojekten und beeindruckt schon allein durch die große Anzahl an Vorhaben.
Dr. Werner Reh vom BUND in Lage2000 Projekte mit einem geschätzten Finanzbedarf von 264,5 Mrd. EUR werden aufgezählt und in einem Projektinformationssystem (PRINS) unter verschiedenen Aspekten dargestellt. Es sind unendliche Reihen von Zahlen und Berechnungen – nicht leicht zu lesen, wenn man kein Experte ist.

Auch in Lippe, insbesondere zwischen Bad Salzuflen und Lage, sind verschiedene Projekte genannt.

Dr. Werner Reh ist ausgewiesener Experte und Leiter der Abteilung Infrastruktur und Verkehr beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.) in Berlin.

Um diese Themen ging es unter anderem:

  • Mit welchen Problemen befasst sich der Bundesverkehrswegeplan?
  • Wie kann eine nachhaltige Verkehrsinfrastrukturplanung erreicht werden?
  • Geht es um Erhalt und Reparatur – oder um Neubau?
  • Welche Rolle spielt der Bahnverkehr?
  • Welche Rolle spielt Geschwindigkeit?
  • Bedeutet mehr Mobilität automatisch mehr Verkehr?
  • Und was heißt das alles für Lage, Bad Salzuflen und Lippe ??

Den Flyer zur Veranstaltung mit Dr. Reh vom BUND gibt es hier zum Download -

Der Bundesverkehrswegeplan für den Bereich der B239n - B66n zusammengefasst: Entgegen der Ankündigung im BVWP „auf das Prinzip Erhalt vor Neubau“ zu setzen, soll nahezu die gesamte Strecke auf neuer Trasse neu gebaut werden.

Der Bundesverkehrswegeplan für den Bereich der B239n - B66n zusammengefasst:

Bundesverkehrswegeplan
Karte: NordNordWest, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons
Der Bundesverkehrswegeplan kündigt im Vorwort an,  „auf das Prinzip Erhalt vor Neubau“ zu setzen. In Lippe ist das Gegenteil der Fall. Nahezu die gesamte Strecke soll auf neuer Trasse neu gebaut werden. Und zwar neben einer parallel verlaufenden nur einspurigen Bahnstrecke – deren Ausbau nicht vorgesehen ist...

Die geplante Trasse führt durch Flusstäler, Hochwasserschutzgebiete, zerschneidet landwirtschaftliche Flächen. Sie versiegelt 52 ha Land und beansprucht weitere 94 ha von Vorrangflächen des Landschaftsschutzes.

Als „zugrunde gelegte Notwendigkeit“ wird im Bundesverkehrswegeplan die "Schaffung einer großräumigen Verbindung vom Kreis Diepholz bis zum Weserbergland bei Höxter“ genannt (kein Scherz).

Im Bereich Lage kann laut BVWP auf eine erneute Linienbestimmung verzichtet werden. Begründung: Die „Linie [ist] weitgehend mit der 1967 bestimmten Linie identisch“.

In der Nutzen-Kosten-Analyse der Planung ist der größte Pluspunkt
„Einzelreisezeitgewinne“ größer als 60 Sekunden. Die werden mit einem fiktiven „Nutzwert“ von 385 Mio. EUR als größter Posten in das Gesamtergebnis eingepreist.

Zusammengefasst:

Wir versiegeln und belasten 146 ha Natur- und Ackerland und bauen auf einer Streckenführung von 1967 eine Straße, die knapp 100 Mio. EUR kostet, damit wir 62 Sekunden schneller von Herford nach Lage kommen.

Das alles in einer Region, in der laut Prognose des Bundesministerium im Jahr 2030 10% weniger Verkehr erwartet wird – der dann zunehmend elektrisch und daher immer leiser sein wird.  

Wir müssen Straßen wirklich sehr lieb haben.

Das steht alles so tatsächlich im aktuellen Bundesverkehrswegeplan aus dem Bundesverkehrsministerium von Herrn Dobrindt der mit der Mehrheit der Großen Koalition in Berlin verabschiedet wurde.


Wer sich mit den Zahlen beschäftigen möchte:

Hier sind die Bundesverkehrswegeplan - Quellen:

http://www.bvwp-projekte.de/strasse/B239-G20-NW/B239-G20-NW.html
http://www.bvwp-projekte.de/strasse/B66-G30-NW/B66-G30-NW.html

Richtig – die Straße ist gleich zweimal geplant.


Wir werden an dieser Stelle in den kommenden Wochen weitere Details dazu bereitstellen und mehr Licht in diese Dokumente bringen.

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